Als im Jahre 1839 die Photographie vorgestellt wurde, schien sich eine neue, authentische Sicht auf fremde und exotische Welten zu eroffnen. Neben ethnographischen Aufnahmen von Sitten und Gebrauchen, Kleidung und Schmuck, Waffen oder Korperhaltung fanden die korperlichen Erscheinungsformen des Menschen die Aufmerksamkeit des «weien» Forscher-Blicks. Photographien sollten unterschiedliche Entwicklungsstufen - korperliche wie kulturelle - objektiv und unwiderlegbar im Bilde festhalten und eine hierarchische Klassifikation illustrieren, in der sich die Weien an der Spitze einer unabwendbaren Entwicklung sahen. Mit solchen historischen photographischen Quellen befasst sich die Visuelle Ethnologie, uber deren gegenwartige Forschungstendenzen ein kritischer Uberblick gegeben wird. Ausgehend von der medialen Spezifik photographischer Quellen werden ausfuhrlich methodische Aspekte in der Arbeit mit historischen Photographien dargestellt. Die Arbeit bringt Licht in das Beziehungsgeflecht von westlicher Expansion nach Ubersee, Wissenschaftsentwicklung und Photographie. Dabei wird eine differenzierte Darstellungsweise bevorzugt, die durch eine Rekonstruktion einstiger Standpunkte kritisches Verstehen ermoglicht und so von heute aus getroffenen Pauschalurteilen entgegen wirkt.